• Welche Vor- und Nachteile sind mit Metamaterialien verknüpft?
  • Lässt sich die Forschung an Unsichtbarkeit mit wissenschaftlicher Ethik vereinbaren?

Geschichte:

Es ist nur eine Frage der Zeit bis Metamaterialien in Form konkreter Anwendung Eingang in unseren Alltag finden. Spätestens jedoch seit dem Manhatten-Projekt und der Erforschung der Kernspaltung sind Gesellschaft und Wissenschaft wesentlich sensitiver für die mögliche Risiken neuer Technologien geworden. Speziell bei Metamaterialien gibt es auch ein verstärktes militärisches Interesse - die Möglichkeit Kriegsgeräte unsichtbar zu machen hätte weitreichende Konsequenzen. Wissenschaftliche Erkenntnisse sind von sich aus weder gut noch schlecht, es kommt immer darauf an, was man damit macht. (Nach Immanuel Kant ist es vor allem die Absicht hinter wissenschaftlichen Erkenntnissen, die zählt.) Die Entdeckung der Kernspaltung 1938 von Lise Meitner, Otto Hahn, Fritz Straßmann und Otto Frisch führte aufgrund des Weltkrieges zur Entwicklung der fürchterlichsten Massenvernichtungswaffen, die 1945 in Hiroshima und Nagasaki mehr als 200.000 Menschen das Leben kostete. Andererseits retten die Erkenntnisse aus der Kernforschung bis heute unzählige Leben in Form von medizinischen Geräten wie Magnetresonanztomographie oder Strahlentherapien. Und auch wenn die Rechtfertigung von Atomkraftwerken zu Zeiten, wo erneuerbare Energien am Vormarsch sind, immer schwerer wird, liefern sie seit Jahrzehnten stabil und effizient Strom.

Kernforschung gehört seit jeher zu den sehr ambivalent diskutierten Bereichen in der Physik und die politische Auseinandersetzung um den vernünftigen und verantwortbaren Umgang mit Kernenergie ist bis heute ein hochaktuelles Thema. Nach den beiden Weltkriegen wurden in vielen Ländern wissenschaftliche Ethik-Kommissionen gegründet, damit das Gefahrenpotential neuer Technologien noch besser abgeschätzt werden kann und es auch einen öffentlichen Diskurs zu den entsprechenden Themen gibt. Interessant ist übrigens, dass in der europäischen Ethikkommission keine Physiker als Mitglieder vertreten sind (European Commission).

Technik-Ethik:

Die sogenannte Technik-Ethik ist eine Disziplin der Philosophie und soll Antworten auf die Fragen geben, ob eine Technologie gut ist, ob es richtig ist, wie man eine Technik nutzt und ob sie sicher ist. Sie wägt Vorteile gegen Nachteile ab, Nutzen gegen Schaden, Chancen gegen Gefahren.

Auch bei Metamaterialien ist eine solche Diskussion natürlich angebracht. Wenn man als WissenschaftlerIn heute in Amerika an Metamaterialien forscht, ist es sehr wahrscheinlich, dass die dafür notwendigen Forschungsgelder aus dem Militär-Budget kommen. Andererseits erlauben Metamaterialien auch revolutionäre neue Anwendungen in der Optik, billigere Satelliten-Kommunikation, dünnere Smartphones, neue Formen optischer Datenverarbeitung und vieles mehr. Folgende Fragen sollten zur Diskussion in der Klasse anregen:

  • Wo, wenn überhaupt, muss man eine Grenze ziehen, wenn es um den wissenschaftlichen Fortschritt geht?
  • Überwiegen gesellschaftliche Vor- oder Nachteile wenn man Dinge unsichtbar machen kann?
  • Ist es moralisch vertretbar, an Technologien zu forschen, die potentiell auch militärisch angewendet werden können?
  • Wer ist am Ende verantwortlich? Ist es die Forscherin, die die Grenzen der Physik auslotet? Sind es Politiker, die Geld für solche Forschungsarbeiten zur Verfügung stellen?
  • Soll jegliche Form der Forschung erlaubt sein? (Tierversuche, Stammzellenforschung, …)

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